SPD-AU-Logo

Aus: Mitteilungen der Gemeinde Aumühle
in "Aktuell" vom 13. Juli 2004


In der Fragestunde zu Beginn der Sitzung der Gemeindevertretung vom 24. Juni 2004 äußerten Anwohner des Bismarckturms ihre Besorgnis über die ihrerseits erwartete erhöhte Strahlenbelastung durch die Erweiterung der Mobilfunkantenne auf dem Bismarckturm für UMTS.

Hierzu einige Erläuterungen: Vereinbarungen zwischen kommunalen Spitzenverbänden und Mobilfunkbetreibern erlauben Mobilfunkbetreibern, die für den störungsfreien Mobilfunkbetrieb erforderlichen Sendeanlagen in Wohngebieten zu errichten. Die Kommunen haben dabei nur Mitsprachemöglichkeit, können aber den Bau von Mobilfunkantennen nicht grundsätzlich verhindern, sondern nur unter Standortalternativen auswählen. In einer gemeinsamen öffentlichen Sitzung von Beirat und Kuratorium der Stiftung Aumühle (der Eigentümerin des Bismarckturms) am 20. April 2004 hatten Vertreter der Firma Vodafone die technischen Einzelheiten zur Erweiterung der Mobilfunkantenne auf dem Bismarckturm erläutert und Messwerte sowie Schätzungen für die Antennenerweiterung für UMTS vorgelegt:
Die genauen Messergebnisse der elektrischen Feldstärke (in Volt pro Meter) bei Normalbetrieb der bestehenden Mobilfunkantenne, die bereits seit einigen Jahren auf dem Bismarckturm installiert ist, gemessen am Boden, sind:

in 65 m Entfernung: 0,65 V/m , in 150 m Entfernung: 0,45 V/m , in 300 m Entfernung: 0,40 V/m.

Der erlaubte maximale Grenzwert beträgt für die D-Netze 41 V/m, für die E-Netze 58 V/m und für UMTS 61 V/m (26. Bundes-Immissionsschutz Verordnung von 1997). Das heißt: heute liegt die Feldstärke bei durchschnittlichem Telefonverkehr bei etwa 1 % des zulässigen Grenzwertes. Bei maximalem Telefonverkehr mit der jetzigen Anlage steigt die Feldstärke auf etwa 1 bis 1,5 V/m. Bei maximaler Nutzung der UMTS und GSM Antennen (nach der Erweiterung) würden voraussichtlich 1,5 bis 2 V/m erreicht, während der Durchschnittswert unter 1 V/m liegen dürfte. Im Inneren von Häusern werden niedrigere Werte erwartet als außen, da je nach Bauweise etwa die Hälfte der Feldstärke von den Hauswänden absorbiert wird. Im Vergleich dazu werden am Kopf des Nutzers eines Mobil-Telefons während eines Telefonats durchschnittliche Feldstärken von 20 V/m mit Spitzenwerten über 100 V/m gemessen.

Durch die horizontale Abstrahlung aus ca. 30 m Höhe mit kleinem Streuwinkel kommt der Hauptstrahl erst in 200 bis 300 m auf dem Boden an, wo die Feldstärke auf Grund des Abstandes schon auf unter 0,5 V/m abgenommen hat. Näher am Turm ist man in Bodenhöhe in der schwächeren Randstrahlung, wodurch sich geringere Feldstärken ergeben, als es bei einer Antenne auf einem Hausdach der Fall wäre. Das war in unseren Diskussionen das entscheidende Argument für eine möglichst hohe Anbringung der Antenne.
Wenn die Gemeinde nicht den Bismarckturm als Standort für Mobilfunkantennen zur Verfügung stellt, können die Mobilfunkfirmen mit einzelnen Hausbesitzern Verträge zur Errichtung von Antennen auf Hausdächern abschließen. Diese erfordern keine Genehmigung durch gemeindliche Gremien und auch nicht durch die betroffenen Nachbarn. Bei einer Mobilfunk-Antenne auf einem Hausdach in ca. 10 m Höhe, läge das Obergeschoss des Nachbarhauses bereits Nahe am Hauptstrahl mit deutlich höherer Feldstärke. Auf einem zur Antenne gerichteten Balkon könnte die Feldstärke wohl etwa 25 V/m (also ca. 50 % des Grenzwertes) erreichen. Das wäre etwa das 50-fache der Feldstärke, der Anwohner des Bismarckturms jetzt ausgesetzt sind. Aus diesem Grunde ging es den gemeindlichen Gremien darum, den Bau von Mobilfunk-Antennen auf normalen Hausdächern zu verhindern. Das ist durch die Erweiterung der vorhandenen Antenne für UMTS gelungen. Die Mobilfunkbetreiber verpflichten sich, keine weiteren Antennen in Aumühle aufzubauen. Nach Inbetriebnahme der Antennen werden wir die dann auftretenden Feldstärken erneut messen lassen und über die Ergebnisse informieren.

Die Frage eventueller Gesundheits-Schäden durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung kann noch nicht endgültig beantwortet werden. Untersuchungen im Umfeld von Radio- und Fernsehsendern, deren Feldstärken wesentlich höher sind, haben bisher keinen eindeutigen Nachweis ergeben, dass diese elektromagnetischen Felder Gesundheits-Schäden verursachen. Andererseits gibt es auch keinen Beweis, dass diese Felder absolut unschädlich sind.
Das Bundesamt für Strahlenschutz informiert auf seinen Internet-Seiten: www.bfs.de ausführlich über Grundlagen, Grenzwerte und Risikowahrnehmung hochfrequenter Strahlung. Ein Forschungprogramm Mobilfunk läuft seit 2002, mit Ergebnissen wird 2006 gerechnet. Darüber hinaus finden Sie auf den Internet-Seiten der SPD-Fraktion: www.spd-aumuehle.de eine detaillierte und - auch für Normalbürger - verständlich geschriebene Literaturanalyse von unabhängigen Wissenschaftlern der Universität Basel zum Thema "Hochfrequente Stahlung und Gesundheit". Nach den darin analysierten wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist eine gesundheitliche Gefährdung durch die oben erwähnten geringen Feldstärken in der Umgebung des Bismarckturms nach heutigem Stand des Wissens mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen.


Dieter Giese, Bürgermeister
Prof. Dr. med. Klaus Baumann, Gemeindevertreter